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Brandschutzhelfer Aufgaben im Ernstfall – Was Sie wirklich tun müssen

Der Rauchmelder schrillt, Kollegen schauen sich irritiert an, und plötzlich steigt Rauch aus dem Kopierraum. Genau in diesem Moment entscheidet sich, ob Ihre Brandschutzhelfer wissen, was zu tun ist – oder ob wertvolle Sekunden durch Unsicherheit verloren gehen.

Die ersten zwei bis vier Minuten nach Brandausbruch sind entscheidend. In dieser kurzen Zeitspanne lässt sich ein Entstehungsbrand oft noch mit einem Feuerlöscher bekämpfen. Danach wird es gefährlich. Deshalb schreibt der Gesetzgeber vor, dass Betriebe ausgebildete Brandschutzhelfer vorhalten müssen.

Doch was genau sind die Brandschutzhelfer Aufgaben im Ernstfall? Welche Pflichten haben sie im Alltag? Und wo liegen die Grenzen ihrer Tätigkeit? Dieser Artikel gibt Ihnen einen vollständigen Überblick – praxisnah und auf den Punkt.

Was ist ein Brandschutzhelfer?

Ein Brandschutzhelfer ist ein Mitarbeiter, der speziell für den betrieblichen Brandschutz ausgebildet wurde. Er unterstützt im Ernstfall die Evakuierung, bekämpft Entstehungsbrände und weist die Feuerwehr ein.

Die gesetzliche Grundlage findet sich in § 10 Arbeitsschutzgesetz. Dort heißt es, dass Arbeitgeber Beschäftigte benennen müssen, die Aufgaben der Brandbekämpfung und Evakuierung übernehmen. Die konkrete Ausgestaltung regelt die DGUV Information 205-023, die Ausbildungsinhalte und Anforderungen definiert.

Abgrenzung zum Brandschutzbeauftragten

Wichtig: Der Brandschutzhelfer ist nicht zu verwechseln mit dem Brandschutzbeauftragten. Während der Brandschutzhelfer operativ im Ernstfall handelt, ist der Brandschutzbeauftragte strategisch für das gesamte Brandschutzkonzept verantwortlich.

Ein Brandschutzbeauftragter erstellt Gefährdungsbeurteilungen, plant Evakuierungsübungen und koordiniert mit Behörden. Er benötigt eine deutlich umfangreichere Ausbildung. Viele Unternehmen setzen dafür auf einen externen Brandschutzbeauftragten, um diese komplexe Aufgabe professionell abzudecken.

Der Brandschutzhelfer hingegen ist der „Mann oder die Frau vor Ort“ – ausgebildet für schnelles, situationsgerechtes Handeln, wenn es brennt.

Die 5 Kernaufgaben im Ernstfall

Was macht ein Brandschutzhelfer, wenn der Alarm losgeht? Diese fünf Aufgaben bilden den Kern seiner Tätigkeit im Brandfall.

1. Brand erkennen und einschätzen

Die erste Aufgabe klingt banal, ist aber entscheidend: Der Brandschutzhelfer muss schnell einschätzen, was passiert ist.

Handelt es sich um einen Entstehungsbrand, der noch klein ist? Oder hat sich das Feuer bereits ausgebreitet? Ist der Raum verraucht? Sind Personen in Gefahr?

Thomas, Brandschutzhelfer in einem Ludwigshafener Logistikunternehmen, erlebte das im vergangenen Jahr: „Ein Karton auf einer Palette hatte Feuer gefangen. Als ich ankam, waren es vielleicht 30 Zentimeter Flammen. Ich wusste sofort: Das schaffe ich mit dem Löscher. Hätte die Palette komplett gebrannt, wäre ich raus und hätte gewartet.“

Diese Einschätzung erfordert Schulung und einen kühlen Kopf. Beides vermittelt die Brandschutzhelfer-Schulung.

2. Alarm auslösen und Notruf absetzen

Parallel zur Einschätzung muss der Alarm ausgelöst werden. Das bedeutet konkret:

  • Brandmelder betätigen (falls vorhanden)
  • Notruf 112 wählen
  • Wichtige Informationen durchgeben: Was brennt? Wo brennt es? Sind Personen in Gefahr?

Viele Brandschutzhelfer unterschätzen diesen Schritt. Sie versuchen erst zu löschen und rufen dann die Feuerwehr. Das ist falsch. Die Feuerwehr braucht Zeit, um anzurücken. Je früher der Notruf eingeht, desto besser.

Eine Faustregel: Alarmierung geht vor Löschversuch. Selbst wenn Sie den Brand selbst löschen können, sollte die Feuerwehr informiert sein.

3. Entstehungsbrand bekämpfen

Jetzt kommt der Teil, den viele mit dem Brandschutzhelfer verbinden: der Einsatz des Feuerlöschers.

Wichtig dabei:

  • Nur Entstehungsbrände bekämpfen. Wenn das Feuer größer als ein Quadratmeter ist oder der Raum verraucht, sofort raus.
  • Die richtige Brandklasse beachten. Wasser auf einen Fettbrand? Fataler Fehler.
  • Von unten nach oben löschen, stoßweise, nicht den gesamten Löscher auf einmal entleeren.
  • Fluchtweg im Rücken behalten. Niemals mit dem Rücken zur Tür löschen.

Die praktische Anwendung des Feuerlöschers ist ein Kernbestandteil jeder Brandschutzhelfer-Ausbildung. Theorie allein reicht nicht – wer nie einen Feuerlöscher in der Hand hatte, wird im Ernstfall unsicher sein.

4. Evakuierung unterstützen

Parallel zur Brandbekämpfung oder wenn diese nicht möglich ist, unterstützt der Brandschutzhelfer die Evakuierung.

Das umfasst:

  • Kollegen auf den Alarm aufmerksam machen
  • Flucht- und Rettungswege zuweisen
  • Auf gehbehinderte oder ortsunkundige Personen achten
  • Dafür sorgen, dass alle den Sammelplatz erreichen

Gerade in größeren Betrieben ist diese Aufgabe kritisch. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin betont, dass koordinierte Evakuierungen die Überlebenschancen deutlich erhöhen.

Maria, Brandschutzhelferin in einem Mannheimer Bürokomplex, berichtet: „Bei unserer letzten Übung haben wir festgestellt, dass der Hinterausgang im zweiten Stock von Kartons blockiert war. Das hätte im Ernstfall Minuten gekostet. Jetzt kontrolliere ich das regelmäßig.“

5. Feuerwehr einweisen

Die letzte Kernaufgabe: Wenn die Feuerwehr eintrifft, braucht sie schnell Informationen.

Der Brandschutzhelfer kann helfen mit:

  • Standort des Brandherdes
  • Anzahl und Aufenthaltsort vermisster Personen
  • Besondere Gefahren (Gefahrstoffe, Gasflaschen, etc.)
  • Zugänge und Wasserstellen

Diese Einweisung spart der Feuerwehr wertvolle Zeit. Ein gut informierter Brandschutzhelfer kann im Ernstfall Leben retten.

Präventive Aufgaben im Alltag

Die Brandschutzhelfer Pflichten beschränken sich nicht auf den Ernstfall. Im Alltag haben sie wichtige präventive Aufgaben.

Flucht- und Rettungswege freihalten

Verstopfte Fluchtwege sind ein Klassiker. Kartons im Treppenhaus, Paletten vor dem Notausgang, der Feuerlöscher hinter dem Aktenschrank versteckt.

Der Brandschutzhelfer hat ein Auge darauf. Er spricht Kollegen an, meldet Missstände und sorgt dafür, dass im Ernstfall alle Wege frei sind.

Brandgefahren erkennen und melden

Defekte Kabel, überlastete Steckdosenleisten, brennbare Materialien neben Heizquellen – Brandschutzhelfer sind sensibilisiert für solche Gefahren.

Sie ersetzen keine Gefährdungsbeurteilung, aber sie sind die Augen und Ohren des betrieblichen Brandschutzes im Alltag.

Kollegen sensibilisieren

Nicht jeder Mitarbeiter durchläuft eine Brandschutzhelfer-Ausbildung. Aber alle sollten wissen, wo der nächste Feuerlöscher hängt und wie sie sich im Brandfall verhalten.

Brandschutzhelfer können dieses Wissen weitergeben, indem sie auf Unterweisungen hinweisen oder Kollegen kurz einweisen.

Grenzen der Brandschutzhelfer-Tätigkeit

Genauso wichtig wie die Aufgaben sind die Grenzen. Ein Brandschutzhelfer ist kein Feuerwehrmann.

Selbstschutz geht vor

Die goldene Regel: Bringen Sie sich niemals selbst in Gefahr. Wenn der Raum verraucht ist, wenn die Flammen zu groß sind, wenn Sie unsicher sind – verlassen Sie den Bereich.

Ein toter Brandschutzhelfer rettet niemanden. Ein lebendiger Brandschutzhelfer, der die Feuerwehr einweist, kann entscheidend sein.

Keine Feuerwehr-Ersatz-Tätigkeiten

Brandschutzhelfer dringen nicht in brennende Gebäude ein. Sie retten keine Personen aus verrauchten Räumen. Sie bekämpfen keine ausgedehnten Brände.

All das ist Aufgabe der Feuerwehr, die dafür ausgebildet und ausgerüstet ist.

Grenzen der Ausbildung respektieren

Eine dreistündige Brandschutzhelfer-Schulung vermittelt Grundlagen. Sie macht aus niemandem einen Brandschutzexperten.

Bei komplexen Fragen zum Brandschutzkonzept, zu baulichen Maßnahmen oder zu Gefährdungsbeurteilungen ist der Brandschutzbeauftragte oder ein externer Fachmann gefragt.

Wie viele Brandschutzhelfer braucht ein Betrieb?

Die DGUV empfiehlt als Richtwert: mindestens 5 Prozent der Beschäftigten sollten als Brandschutzhelfer ausgebildet sein.

Bei erhöhter Brandgefährdung – etwa in der Produktion, in Lagern mit brennbaren Materialien oder in der Gastronomie – kann dieser Anteil höher sein.

Wichtig dabei:

  • Urlaub und Krankheit einplanen. Wenn der einzige Brandschutzhelfer im Urlaub ist, fehlt er im Ernstfall.
  • Schichtbetrieb berücksichtigen. In jeder Schicht sollten ausgebildete Brandschutzhelfer anwesend sein.
  • Räumliche Verteilung beachten. In einem Gebäude mit mehreren Etagen sollte auf jeder Etage mindestens ein Brandschutzhelfer sein.

Ein Unternehmen mit 50 Mitarbeitern braucht also mindestens drei ausgebildete Brandschutzhelfer – eher mehr, um Abwesenheiten abzufangen.

Die richtige Vorbereitung macht den Unterschied

Theorie ist wichtig. Aber im Ernstfall zählt die Praxis.

Peter, Sicherheitsbeauftragter eines Unternehmens in der Rhein-Neckar-Region, bringt es auf den Punkt: „Unsere Brandschutzhelfer haben bei der Schulung zum ersten Mal einen echten Feuerlöscher benutzt. Dieser Moment, wenn man merkt, wie viel Druck da rauskommt und wie man zielen muss – das vergisst man nicht. Und genau das braucht man im Ernstfall.“

Eine gute Brandschutzhelfer-Schulung umfasst deshalb immer einen praktischen Teil mit echten Löschübungen.

Fazit: Vorbereitet sein, wenn es darauf ankommt

Die Brandschutzhelfer Aufgaben im Ernstfall sind klar definiert: Brand erkennen, Alarm auslösen, Entstehungsbrand bekämpfen, Evakuierung unterstützen, Feuerwehr einweisen.

Dazu kommen präventive Pflichten im Alltag, die dafür sorgen, dass im Ernstfall alles funktioniert.

Das Wichtigste dabei: Brandschutzhelfer müssen ihre Grenzen kennen. Selbstschutz geht immer vor. Ein gut ausgebildeter Brandschutzhelfer weiß, wann er eingreift – und wann er sich zurückzieht.

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