Ein Evakuierungskonzept erstellen gehört zu den wichtigsten Pflichten jedes Arbeitgebers, dennoch schieben viele Unternehmen dieses Thema vor sich her. Was passiert, wenn der Feueralarm losgeht und niemand weiß, wohin? Genau diese Frage stellte sich die Geschäftsführerin eines Mannheimer IT-Unternehmens, als bei einer unangekündigten Brandschutzprüfung herauskam, dass ihr Evakuierungsplan seit sechs Jahren nicht aktualisiert worden war. Die Konsequenz: ein Bußgeld und drei Wochen hektische Nacharbeit.
Damit Ihnen das nicht passiert, erhalten Sie in diesem Artikel eine vollständige Schritt-für-Schritt-Anleitung. Zudem finden Sie praktische Vorlagen und Checklisten, die Sie direkt für Ihr Bürogebäude anwenden können. Am Ende wissen Sie genau, welche Inhalte Ihr Evakuierungskonzept braucht und wie Sie es rechtssicher dokumentieren.
Was ist ein Evakuierungskonzept?
Ein Evakuierungskonzept beschreibt alle organisatorischen und technischen Maßnahmen, die eine schnelle und sichere Räumung eines Gebäudes im Notfall gewährleisten. Es umfasst folglich Flucht- und Rettungswege, Alarmierungsketten, Sammelplätze sowie die Verantwortlichkeiten aller Beteiligten.

Die rechtliche Grundlage bildet dabei die Arbeitsstättenverordnung (ArbStättV), die in § 4 klare Anforderungen an Fluchtwege und Notausgänge stellt. Darüber hinaus konkretisiert die DGUV diese Vorgaben mit praxisnahen Empfehlungen für Betriebe jeder Größe.
Evakuierungskonzept erstellen in 6 Schritten
Die folgende Anleitung zeigt Ihnen, wie Sie systematisch ein vollständiges Evakuierungskonzept für Ihr Bürogebäude entwickeln. Jeder Schritt baut dabei auf dem vorherigen auf.
Schritt 1: Gefährdungsbeurteilung durchführen
Bevor Sie mit der Planung beginnen, müssen Sie zunächst die spezifischen Risiken Ihres Bürogebäudes kennen. Eine Gefährdungsbeurteilung identifiziert potenzielle Gefahrenquellen und bildet somit das Fundament Ihres Evakuierungskonzepts.
Prüfen Sie deshalb folgende Punkte:
- Wo befinden sich Brandlasten wie Server, Archive oder Lager?
- Gibt es Bereiche mit eingeschränkter Fluchtmöglichkeit?
- Arbeiten Personen mit Mobilitätseinschränkungen im Gebäude?
- Wie viele Personen halten sich maximal gleichzeitig im Gebäude auf?
Thomas Müller, Facility Manager eines Heidelberger Versicherungsunternehmens, machte dabei eine überraschende Entdeckung: Der Serverraum im Untergeschoss hatte nur einen einzigen Fluchtweg. Diese Erkenntnis führte zur Installation eines zweiten Notausgangs, noch bevor das eigentliche Evakuierungskonzept fertig war.
Schritt 2: Flucht- und Rettungswege planen
Auf Basis der Gefährdungsbeurteilung legen Sie nun die Flucht- und Rettungswege fest. Diese müssen jederzeit frei begehbar sein und direkt ins Freie oder in einen gesicherten Bereich führen.
Beachten Sie dabei folgende Anforderungen:
- Mindestbreite der Fluchtwege: 1,20 m bei bis zu 200 Personen
- Maximale Fluchtweglänge: 35 m bis zum nächsten Ausgang
- Türen in Fluchtrichtung öffnend
- Keine Hindernisse oder abgestellte Gegenstände
Der Fluchtplan sollte außerdem alle Etagen abbilden und an zentralen Stellen aushängen. Achten Sie darauf, dass die Pläne den Vorgaben der Arbeitsstättenverordnung § 4 entsprechen.
Möchten Sie Ihre Flucht- und Rettungspläne professionell erstellen lassen? Ein externer Brandschutzbeauftragter übernimmt diese Aufgabe rechtssicher für Sie.
Schritt 3: Alarm- und Informationskette definieren
Ein Evakuierungskonzept funktioniert nur, wenn alle Beteiligten wissen, wer wen wann informiert. Definieren Sie daher eine klare Alarmkette, die vom Auslösen des Alarms bis zur Rückmeldung an die Einsatzkräfte reicht.
Die Alarmkette umfasst typischerweise:
- Erkennung der Gefahr (automatisch oder durch Person)
- Auslösung des Hausalarms
- Notruf 112 absetzen
- Evakuierungshelfer starten Räumung
- Sammelplatz-Verantwortliche zählen Personen
- Rückmeldung an Einsatzleitung
Legen Sie außerdem fest, wer den Notruf absetzt und welche Informationen dabei genannt werden müssen. Ein standardisierter Notruftext verhindert, dass in der Aufregung wichtige Details vergessen werden.
Schritt 4: Sammelplätze und besondere Personengruppen festlegen
Der Sammelplatz ist der zentrale Treffpunkt nach einer Evakuierung. Hier wird festgestellt, ob alle Personen das Gebäude verlassen haben. Wählen Sie deshalb einen Ort, der folgende Kriterien erfüllt:
- Mindestens 50 m vom Gebäude entfernt
- Ausreichend Platz für alle Mitarbeiter
- Gut erreichbar über mehrere Wege
- Keine Behinderung der Rettungskräfte
Besondere Aufmerksamkeit verdienen Personen mit eingeschränkter Mobilität. Für sie müssen Sie zusätzliche Evakuierungsassistenten benennen und alternative Fluchtmöglichkeiten planen. Ein Ludwigshafener Produktionsbetrieb löste dieses Problem, indem er spezielle Evakuierungsstühle für die Treppenhäuser anschaffte und zwei Mitarbeiter pro Etage als Assistenten schulte.
Schritt 5: Dokumentation und Einbindung ins Sicherheitskonzept
Ihr Evakuierungskonzept muss schriftlich dokumentiert und für alle Mitarbeiter zugänglich sein. Die Dokumentation enthält dabei mindestens:
- Flucht- und Rettungspläne aller Etagen
- Alarmierungsschema mit Kontaktdaten
- Verantwortlichkeitsmatrix
- Verhaltensregeln für Mitarbeiter
- Protokolle durchgeführter Übungen
Integrieren Sie das Evakuierungskonzept außerdem in Ihr übergeordnetes Sicherheitskonzept. So stellen Sie sicher, dass alle Maßnahmen aufeinander abgestimmt sind. Die VBG bietet hierzu hilfreiche Mustervorlagen für verschiedene Betriebsgrößen.
Schritt 6: Üben, auswerten und aktualisieren
Ein Evakuierungskonzept ist nur so gut wie seine Umsetzung in der Praxis. Regelmäßige Evakuierungsübungen decken Schwachstellen auf und trainieren das richtige Verhalten im Ernstfall.
Die DGUV empfiehlt mindestens eine Evakuierungsübung pro Jahr. Bei Bürogebäuden mit wechselnder Belegung oder besonderen Risiken sollten Sie häufiger üben. Nach jeder Übung erfolgt eine Auswertung, die folgende Fragen beantwortet:
- Wurde die Räumungszeit erreicht?
- Haben alle Mitarbeiter den Sammelplatz gefunden?
- Funktionierten Alarmierung und Kommunikation?
- Welche Verbesserungen sind nötig?
Aktualisieren Sie Ihr Evakuierungskonzept außerdem bei baulichen Veränderungen, Personalwechsel oder neuen Erkenntnissen aus Übungen. Ein veraltetes Konzept kann im Ernstfall fatale Folgen haben.
Inhalte einer Muster-Vorlage für Ihr Evakuierungskonzept
Eine vollständige Vorlage für Ihr Evakuierungskonzept enthält alle wesentlichen Elemente übersichtlich strukturiert. Die folgenden Abschnitte zeigen Ihnen, welche Inhalte nicht fehlen dürfen.
Verantwortlichkeitsmatrix
Definieren Sie klar, wer welche Aufgaben bei einer Evakuierung übernimmt:
| Rolle | Aufgabe | Vertreter |
|---|---|---|
| Evakuierungsleiter | Gesamtkoordination, Kontakt Feuerwehr | Stellvertreter benennen |
| Etagenverantwortlicher | Räumung der Etage, Vollzähligkeitsprüfung | Pro Etage zwei Personen |
| Sammelplatz-Koordinator | Anwesenheitskontrolle, Rückmeldung | Mindestens eine Person |
| Evakuierungsassistent | Unterstützung mobilitätseingeschränkter Personen | Nach Bedarf |
Die Evakuierungshelfer sollten dabei als Brandschutzhelfer geschult sein, damit sie im Ernstfall richtig handeln können.
Notruf- und Alarmtexte
Standardisierte Texte verhindern Fehler unter Stress. Hier ein Beispiel für den Notruf:
„Hier ist [Name] von [Firma] in der [Adresse]. Es brennt im [Stockwerk/Bereich]. [Anzahl] Personen sind im Gebäude. Verletzte: [ja/nein]. Mein Rückruf: [Telefonnummer].“
Für die interne Alarmierung eignet sich folgende Durchsage:
„Achtung, Achtung! Bitte verlassen Sie sofort das Gebäude über die gekennzeichneten Fluchtwege. Begeben Sie sich zum Sammelplatz [Ort]. Benutzen Sie nicht die Aufzüge.“
Fluchtplan und Beschilderung
Der Fluchtplan muss gemäß DIN ISO 23601 erstellt werden und folgende Elemente enthalten:
- Standort des Betrachters („Sie sind hier“)
- Fluchtwege mit Richtungspfeilen
- Notausgänge und Treppen
- Feuerlöscher und Erste-Hilfe-Einrichtungen
- Sammelplatz
Hängen Sie den Plan an zentralen Stellen aus, etwa in Eingangsbereichen, Fluren und Aufzugsbereichen. Die Beschilderung der Fluchtwege erfolgt mit nachleuchtenden Schildern, die auch bei Stromausfall sichtbar bleiben.
Häufige Fehler beim Evakuierungskonzept vermeiden
Bei der Erstellung von Evakuierungskonzepten treten immer wieder dieselben Fehler auf. Vermeiden Sie folglich diese typischen Schwachstellen:
- Veraltete Pläne: Nach Umbauten werden Fluchtpläne oft nicht aktualisiert
- Unklare Verantwortlichkeiten: Niemand fühlt sich zuständig, weil Rollen nicht definiert sind
- Fehlende Übungen: Das Konzept existiert nur auf dem Papier
- Blockierte Fluchtwege: Abgestellte Kartons oder Möbel versperren den Weg
- Ungeschulte Mitarbeiter: Neue Mitarbeiter erhalten keine Einweisung
Ein Spezialist für Evakuierungsplanung aus dem Rhein-Neckar-Raum berichtet, dass bei rund 40 Prozent der Erstbegehungen blockierte Fluchtwege festgestellt werden. Meist handelt es sich dabei um „vorübergehend“ abgestellte Gegenstände, die seit Monaten dort stehen.
Umsetzung vor Ort – Unterstützung für Unternehmen in Mannheim und Ludwigshafen
Sie möchten Ihr Evakuierungskonzept professionell erstellen lassen oder eine Evakuierungsübung durchführen? Wir unterstützen Unternehmen in der Rhein-Neckar-Region bei der rechtssicheren Umsetzung aller Anforderungen.
Inhouse-Dienstleistung: Evakuierungskonzept und Übung
Unser Angebot umfasst:
- Begehung Ihres Bürogebäudes mit Gefährdungsanalyse
- Erstellung eines vollständigen Evakuierungskonzepts
- Flucht- und Rettungspläne nach DIN ISO 23601
- Durchführung einer praktischen Evakuierungsübung
- Schulung Ihrer Evakuierungshelfer
Nach der Übung erhalten Sie eine dokumentierte Auswertung mit konkreten Verbesserungsvorschlägen. So erfüllen Sie alle gesetzlichen Anforderungen und sind optimal auf den Ernstfall vorbereitet.
Zeitplan und nächste Schritte
Die Erstellung eines Evakuierungskonzepts für ein mittelgroßes Bürogebäude dauert erfahrungsgemäß zwei bis vier Wochen. Der genaue Zeitrahmen hängt von der Gebäudegröße und der Komplexität der Anforderungen ab.
Starten Sie jetzt: Nehmen Sie Kontakt auf für ein unverbindliches Beratungsgespräch. Gemeinsam besprechen wir Ihre Anforderungen und entwickeln eine maßgeschneiderte Lösung für Ihr Unternehmen.
Fazit: Evakuierungskonzept erstellen schützt Mitarbeiter und Unternehmen
Ein durchdachtes Evakuierungskonzept ist mehr als eine gesetzliche Pflicht. Es schützt Ihre Mitarbeiter im Ernstfall und bewahrt Ihr Unternehmen vor rechtlichen Konsequenzen. Die sechs Schritte dieses Leitfadens geben Ihnen dabei einen klaren Fahrplan für die Umsetzung.
Wichtig sind vor allem drei Punkte: Erstens eine gründliche Gefährdungsbeurteilung als Ausgangspunkt, zweitens klare Verantwortlichkeiten und dokumentierte Abläufe, drittens regelmäßige Übungen zur Überprüfung der Praxistauglichkeit.
Handeln Sie jetzt: Prüfen Sie Ihr bestehendes Evakuierungskonzept oder erstellen Sie eines, falls noch keines existiert. Für Unterstützung in Mannheim, Ludwigshafen und der Rhein-Neckar-Region stehen wir Ihnen zur Verfügung. Informieren Sie sich auch über unsere Evakuierungsübungen für Unternehmen oder buchen Sie direkt einen Termin.